Rudergesellschaft Germania Kiel

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Rudergesellschaft Germania: Wanderfahrt Unstrut-Saale Sept. 09

Berichte und Bilder > 2009

Wanderfahrt Unstrut-Saale-Elbe von Tröbsdorf nach Schönebeck
vom 7. bis 13. September 2009

Darf ich mich vorstellen: meine Name ist Froger. Einfach an den Seesack gehängt und schon wurde ich mitgenommen auf die Unstrut- Saale-Wander-fahrt der Germanen. Zur Belohnung darf ich den Fahrtenbericht mit schreiben. Schließlich bin ich nun neuwasserfest und mein Name steht schließlich für „Frosch Germania“.




Montag 7. September

Anfahrt nach Naumburg Jugendherberge mit einem Kleinbus und Eisenbahn
16 Uhr Stadtbesichtigung, Naumburger Dom
19 Uhr Restaurant „Zillestuben“

Am Montag in der Frühe zogen alle los, die einen mit dem Bus und den Booten, die anderen mit der Bahn. Ich wurde einfach mitsamt Sack obendrauf im Bus befördert.
In Naumburg an der Saale trafen wir uns in der JH bei der ersten Tasse Kaffee alle wieder. Übrigens –Kaffeetrinken, eine echte Leidenschaft einiger Frauen in dieser Runde. Ich habe es genau registriert!


Puh, für einen Frosch wie mich wäre nun ein Sprung in den Teich genau das Richtige, doch das Wassersportprogramm beginnt erst morgen. In Naumburg ruft die Kultur, und somit – festgebunden – ging es schnurstracks in den Dom. Immerhin ist es dort angenehm kühl. Wir wollten ja auch alle wissen, wie die Figur im Naumburger Dom mit drei Buchstaben aus dem Kreuzworträtsel aussieht. Die Uta lächelt charmant und zurückhaltend hinter ihrem elegant fallenden Umhang auf uns herab. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass sie und die anderen 11 Stifterfiguren bereits um 1250 entstanden.


Anschließend – nein falsch geraten, kein kühles Nass - ein Stadtrundgang auf Schusters Rappen (zum Glück bin ich angehängt) mit einem Stadtführer. Dieser hinterließ mit seinem preußischen „Zackzack“ einen nachhaltigen Eindruck auf alle, auch noch nach Tagen…


Den Einkehrschwung in die Zillestuben verschlief ich. Man munkelte aber noch Tage später darüber, ich hörte manches von Hasen, ob geheuchelt, falsch oder vielleicht auch gemeuchelt, keiner wusste mir genaues zu berichten.

Dienstag 8. September
ca. 8 Uhr mit Bus/Zug zur
Schleuse Tröbsdorf, gute Einsetzstelle vor der Schleuse
Freyburg, Schleuse, Mittagspause
15 Uhr Rotkäppchensekt Besichtigung
km 161,83 Unstrut/Saale, Blütengrund – schönste Ecke
RV Rot-Weiß Naumburg (24 km)
19 Uhr Restaurant „Bürgergarten

Heute wurde es ernst, ich durfte mit ins Boot. Erstaulich wie versiert und wie am Schnürchen das Abladen, Aufriggern und Einsetzen der Boote klappte. Ich hatte den Eindruck, hier ist eine lang eingespielte Routine sofort spürbar, ich war sehr beeindruckt.
Die Einsatzstelle lag direkt vor der Schleuse. Der für diesen Tag persönlich von Rolf, dem Schleusenwart, angeheuerte Schleusenwärter begrüßte uns herzlich. Erleichterung bei Rolf, der erste Tag klappt.

Aber, wie ich erfahre, lernen nun alle Ruderer dazu. Es handelt sich nämlich um eine Drempelschleuse – nein Ingrid T., keine Tölpelschleuse! Also schön in der Mitte bleiben während des Schleusens, sonst sitzen wir womöglich nach der Hälfte der „Abfahrt“ auf dem Drempel auf dem Trockenen. Vier Schleusen müssen bewerkstelligt werden bis zur Mittagspause.

„Die kleine Stadt Freyburg duckt sich in die Flusskerbe der Unstrut als habe sie etwas Wertvolles zu verbergen.“

Für uns zum Beispiel einen Besuch in der Sektkellerei „Rotkäppchen“. Der Probiersekt soll gut geschmeckt haben – nix für Frösche! Die Besichtigung in den kühlen Räumen tat gut, die Führerin hat uns alle allerdings mit ihrem Augenrollen und den Zitaten nicht überzeugt und zum Singen schon gar nicht animieren können – norddeutsche Sturheit gepaart mit Einigkeit ist doch was Schönes.

Jetzt sind es nur noch 5 km bis wir die Unstrut am Blütengrund verlassen. Ich schaue gespannt in die Landschaft:


„Wie lange sitzen wir eigentlich schon hier unten am Blütengrund? .. Am hauseigenen Bootssteg hat das Passagierschiff „Reblaus“ festgemacht. Man kann vom Gartentisch aus beobachten, wie die beiden Flüsse sich vereinen. Die Saale nimmt in einer Stromschwelle Schwung auf, macht sich breit und wirft wichtigtuerische Luftblasen auf, um der trägeren, schmaleren Unstrut zu demonstrieren, wer stärker ist. Die Unstrut drückt sich in der ersten gemeinsamen Kurvenbiegung verschämt am Ufer entlang, gemächlich strudeln die Gewässer ineinander, die letzten Blasen zerplatzen.
Mehr passiert hier nicht. Der Ort ist von einer sensationellen Beschaulichkeit. Im Verlauf eines langen Nachmittags stürzt hier allenfalls eine Wespe ins Glas, oder eine Libelle nimmt vorübergehend am Tischrand Platz, oder nebenan auf der Streuobstwiese fällt ein wurmstichiger Apfel vom Baum. .. Auf der anderen Seite der Saale schlagen von Zeit zu Zeit Radwanderer mit einem rostigen Eisenstück auf ein rostiges Rohr. Dann hangelt sich der Fährmann mit seinem Holzkahn über das Wasser und setzt die Kundschaft über… Hinter dem Gartenlokal ragen die steilen Muschelkalk- und Bundsandsteinhänge auf, die die Unstrut in die Landschaft geschnitten hat. Fast küchegartenhaft klein sind die Weinterassen parzelliert…“

Unsere treuen Helfer und Begleiter Karin und Volker haben gerade in diesem Moment die Fahrradfähre genutzt und winkten uns zu.


Mittwoch 9. September
Naumburger RV
Mittagspause Weißenfels, Stadtpark, historische Altstadt
Kanu-Club Bad Dürrenberg (32 km)
Besichtigung Gradierwerk, die Stadt mit Salz in der Luft
Übernachtung und Abendessen „Hotel Altes Badehaus“(sehr schönes Hotel!)

Die Saale heute bot uns ein anderes Bild. Sie ist „strenger“, längst nicht so verspielt wie die Unstrut. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Nachdem gestern das Verlassen der engen Schleusen noch nicht so gut geklappt hat, spricht es sich heute in den Booten langsam herum: gemeinsamer Spreewaldsparschlag mit deutlichem „Zackzack-Kommando“ funktioniert am besten! Alle gleichzeitig und alle im gleichen „Skullwinkel“, lerne ich, dann fährt das Boot auch geradeaus. Rudern allein ist es noch nicht, was man als Germane auf einer Wanderfahrt können muss.


Die Mittagpause in Weißenfels steht im Zeichen von Kultur, angeführt von unserer Kulturführerin Roswitha. Bestens vorbereitet nahm sie uns mit auf die Spuren dieses schönen Barockstädtchens. Allerdings sind hier auch noch Spuren des DDR-Charmes deutlich sichtbar.
Nachmittags sind Stromschnellen angesagt laut Wahrsager. Ob ich mich darin austoben kann? Doch wo sind sie? Sind etwa die kleinen Sprüdelchen rechts und links gemeint? Unter richtigem Abenteuer verstehen wir doch etwas anderes, oder Rolf?

Im Laufe unserer Fahrt stellten wir fest, dass beide Flüsse von zahlreichen Eisenbahnbrücken gequert wurden, auf denen auch reger Verkehr herrschte. Daraus ließen wir sofort eine neue Wette entstehen: der Steuermann, der die Leinen führte während wir die Brücke durchfuhren und gleichzeitig ein Zug ober hinüber fuhr, musste abends eine Runde an die Mannschaft ausgeben. Drei Steuerleute hat es doch tatsächlich erwischt. Es war immer wieder ein Spaß, kommt ein Zug, sind wir schon durch, oder ist der Zug bereits vorbei bevor wir darunter sind. Schließlich sind die Züge auch unterschiedlich lang, oder Dieter?


Donnerstag 10. September
Bad Dürrenberg
Merseburger RC, Am Stadtpark, Mittagspause
Halle Hallesche Rvg. Böllberg (30 km)
16 Uhr Landesmuseum für Vorgeschichte (Himmelsscheibe
Nebra) anschl. Stadtführung und Abendessen im Halleschen Brauhaus

Heute wurde aus der Saale eine Bundeswasserstraße. Der Unterschied ist an Kleinigkeiten zu erkennen. Rüdiger stellt fest, dass die nun vorhandene Betonnung anfangs in der Sparversion auftritt: Tonnen ohne Hütchen. Die Kilometer sind auch leichter zu zählen im Nachkommabereich, es gibt alle 200m Schilder.

Unsere leider sehr kurze Mittagspause in Merseburg ließ mich richtig staunen. Dieses ehemalige Ruderleistungszentrum machte den Eindruck von „anno toback“. In das Rudertrainingsbecken möchte ich als Frosch nicht eintauchen, auch die Hantelbänke haben schon Patina aufgelegt, vom typischen muffigen Geruch ganz zu schweigen. Leider verzeichnen die Merseburger auch deutlichen Schwund bei den Mitgliederzahlen, junge Mitglieder gibt es gar keine mehr, irgendwie schon schade.


Die Kilometer bis Halle mussten nun schnell zurückgelegt werden. Habt ihr gemerkt, dass ich versucht habe, Euch alle ein wenig mental zu stärken? Wir wollten schließlich um 16 Uhr im Museum sein. Knapp geschafft sind alle ungeduscht mit Taxi und Bus durch Halle gebraust. Doch im Museum, was nun? Die vereinbarte Führung war wohl doch anders geplant. Machte nichts, wir konnten im Museumsshop eine Tasse Kaffee trinken – und Luft holen. Im Anschluss geht es doch los, dazu mit einer sehr kompetenten jungen Führerin. Über die Bronzezeit hätte sie uns viel mehr erzählen können. Die Himmelsscheibe von Nebra beeindruckte uns alle, wir konnten uns kaum losreißen. Doch wir sind die letzten Gäste im Museum, nützt nichts, wir mussten leider gehen.


Freitag 11. September
Halle
Mittagspause Wettin, anlegen an der Gaststätte vor der Fähre
Wassersportclub Alsleben, vor Straßenbrücke, Boote sind schwierig herauszunehmen (45 km)
Abendessen „Hotel Stadt Alsleben“

Heute erlebten wir nun doch noch ungewollt fast ein Abenteuer gleich in der ersten Schleuse. Es sprudelte bei der „Abfahrt“ während des Schleusens immer heftiger. Nur lautes Schreien half, bis der Schleusenwärter endlich bemerkte, dass er das Schütz nicht ganz geschlossen hatte! Puh, Abenteuer ja, aber so doch lieber nicht!

Unser Picknickplatz in Wettin wurde vom Landdienst zusammen mit Volker und Karin gut gewählt, das leckere Mahl von Ingrid F. liebevoll bereitet, wie in den vorigen Tagen auch. Zu schön, wenn man hungrig aus dem Boot stieg – ja auch ich war hungrig, obwohl ich nur sehender Passagier war.

Nach dem „Essenfassen“ gab es doch tatsächlich, wenn die Zeit es zuließ, ein kleines Mittagsschläfchen. Ich staunte, wie schnell manch einer seinen Seesack als Kopfstütze bereitlegte, die Germanenweste ausbreitete und das Nickerchen begann. Schwierig nur, wenn man sein Schlafgepäck im Boot vergessen hatte, oder Kurt?

Da heute die längste Strecke zu bewältigen war, gab es einen Zwischenstopp auf dem Wasser mit „Kuchenreichen von Boot zu Boot“. Trotzdem kamen alle etwas ruhiger in Alsleben an. Während des Bustransportes vom Anleger zum Hotel schwärmte Ingrid F. uns in höchsten Tönen von diesem vor: alter Plattenbau, hellhörig, alle Zimmer in der 4. Etage, kein Fahrstuhl. War ich froh, dass ich am Sack hänge als Sabine mit Gepäck nach oben stapfte. Aber hoppla, es sah doch alles nett aus. Und wo ging es hier weiter in die 2. Etage? Da hatte Ingrig F. uns doch glatt einen Bären aufgebunden und mancher hat es geglaubt. Nur die Speisekarte hier war etwas zurückgeblieben, einige Preise waren noch in DM. Auch die Sektmarke „Rüdigers Club“ war kein weiterer Bär, sondern in der Karte so dokumentiert.


Samstag 12. September
Alsleben
Mittagspause Calbe, Turn- u. Sportgem.
Groß Rosenburg, Fähre, Boote können hier gut über Nacht gelagert werden (42 km)
Übernachtung und Abendessen Hotel „Zur Altstadt“, Calbe

So langsam geht es Richtung Elbe und noch immer suchten wir „der Saale hellen Strand“. Dafür strahlte die Sonne umso schöner und die Fotoapparate wurden gezückt. Bitte alle einmal „Ameisensch…“ sagen, ist ja schließlich alles für unseren Schaukasten!

Der Landdienst hatte die nächtliche Bootsliegestelle an der Fähre Groß Rosenburg ausgespäht. Der zünftige Fährmann mit Cowboyhut war einverstanden. Volker blies das Horn an der letzten Kurve, damit alle die richtige Seite für die Anfahrt nahmen und nicht mit dem Gierseil in Konflikt gerieten.


Sonntag, 13. September
Groß Rosenburg
Saale / Elbe
Schönebecker Sport Club, Endstation (30km)

Hui, heute lerne ich den Unterschied kennen zwischen gemächlichem Flussrudern bei schönem Wetter und Rudern bei Regen auf der Elbe. Strömung, Gegenwind und Schauer begrüßten uns an der Saalemündung. Ich ziehe schnell den Kopf ein, aber ich habe es gesehen, es gibt hier hellen Strand.

In Schönebeck, da sind sich alle einig, wurde die Fahrt beendet, auch wenn das ursprüngliche Ziel Magdeburg war.


Noch einmal Hand in Hand, zackzack Boote abgeriggert und verladen. Im Bootshaus im Warmen die letzte Mahlzeit und den letzten Kuchen verzehrt. Der Hausmeister kochte uns frischen Kaffee – das tat gut! Bus- und Zugfahrer trennten sich schweren Herzens, kommt alle gut nach Hause, schön war es! Ich fuhr nur bis Wolfsburg mit. Aber bitte, nehmt mich nächtest Mal wieder mit.



Zitate
aus „Die Zeit“ vom 8. Oktober 2009


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